Zwischenbericht September 2009

Zwi­schen­be­richt zu dem Hilfs­pro­jekt „žBau­ern hel­fen Bau­ern“ (Arbore/Äthiopien)
geför­dert von Lookout-Games seit Dezem­ber 2008

Alle unsere Ideen wären eigent­lich bes­ser bezeich­net als „žFreund­schafts­hilfe.“ Unser Ziel ist eine unbü­ro­kra­ti­sche Unter­stüt­zung von Initia­ti­ven und Ideen unse­rer Freunde in Arbore, keine Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit im klas­si­schen Sinn. Wir sind keine Hilfs­or­ga­ni­sa­tion mit Stab, Struk­tur und Büro, son­dern ver­ste­hen uns schlicht als Freunde der Arbore. „žBau­ern hel­fen Bau­ern“ ist also kein bil­li­ger Slo­gan, son­dern steht dafür, dass Unge­rech­tig­kei­ten, die immer mehr im glo­ba­len Kon­text ent­ste­hen, auch unter schwie­ri­gen poli­ti­schen, kli­ma­ti­schen und öko­no­mi­schen Bedin­gun­gen oft schon mit ein­fa­chen Mit­teln, mit gutem Wil­len und viel Groß­zü­gig­keit tat­säch­lich ein wenig abge­hol­fen wer­den kann.
Wir dan­ken allen Bau­ern, Spie­lern und Welt­bür­gern von gan­zem Herzen.

[Hin­weis: ETB steht für „žEthio­pian Birr“. Heute ist 1 € etwa 19 ETB wert, der Wech­sel­kurs hat jedoch im Pro­jekt­ver­lauf stark geschwankt.]

Erste Phase: Finan­zie­rung von Pro­jek­ten zur aktu­el­len Not­lage und Beginn des Auf­baus nach­hal­ti­ger Projekte

1) Pastoralistenschule/Erwachsenenbildung für 47 (60) Schüler:

Mate­ri­al­kos­ten: 100 € = 1,420 ETB
Kos­ten für Leh­rer: 105 €

Die Idee (Novem­ber 2008):
Die pri­vate Initia­tive für eine Schule für Hir­ten wurde Ende 2008 von Arbore-Schülern ins Leben geru­fen, nach­dem ein sehr erfolg­rei­ches und gut ange­nom­me­nes Pilot­pro­jekt für eine sol­che Schule durch FARM Africa, eine britisch-äthiopischen Hilfs­or­ga­ni­sa­tion, been­det wurde. Erwach­se­nen war in die­sem Pro­jekt ermög­lich wor­den, unter Auf­recht­er­hal­tung ihrer Arbeit auf Fel­dern und mit den Tie­ren nachts die Grund­schule zu besu­chen. Dabei wur­den Fehl­zei­ten akzep­tiert, die es immer gibt, wenn Tiere auf ent­le­gene Wei­den geführt wer­den müs­sen oder Fel­der sai­son­be­dingt umge­hend bestellt oder geern­tet wer­den müs­sen. In ande­ren loka­len Schul­kon­zep­ten führ­ten sol­che Fehl­zei­ten oft zum Aus­schluss der Schü­ler. Die­ses Pro­jekt war somit das erste Schul­mo­dell, dass in Arbore für die Erwach­se­nen­bil­dung erfolg­reich durch­ge­führt wurde. Nach zwei Jah­ren Lauf­zeit wurde das Pro­jekt been­det, mit der Auf­for­de­rung an die Schü­ler, ihre Schul­bil­dung in den nor­ma­len Tages­schu­len fort­zu­set­zen. Natür­lich war dies unmög­lich und unver­ein­bar mit einer pas­to­ra­len Lebens­weise.
Enga­gierte Schü­ler und der Leh­rer rea­gier­ten mit einer Eigen­in­itia­tive. Die Schü­ler steu­er­ten kleine Geld­sum­men für die Beleuch­tung und Lehr­ma­te­rial bei, der Leh­rer arbei­tet ehren­amt­lich und so konnte wei­ter gelernt wer­den. Nach einer in 2008 nicht abbre­chen­den Serie von Feh­lern­ten durch wie­der­holte unre­gel­mä­ßige Über­schwem­mun­gen, der resul­tie­ren­den Nah­rungs­mit­tel­knapp­heit und immens gestei­ger­ten Nah­rungs­mit­tel­prei­sen war es immer weni­ger Schü­lern mög­lich, aus eige­ner Tasche Geld bei­zu­steu­ern, und auch der pri­va­ten Initia­tive drohte das Ende.

Das Ergeb­nis (Sep­tem­ber 2009):
Hier konnte „žBau­ern für Bau­ern“ sofort ein­sprin­gen. Mit einer klei­nen Geld­summe wurde Lehr­ma­te­rial, Schreib­wa­ren und Beleuch­tung (Petro­le­um­lam­pen) finan­ziert. Damit konnte das Schul­pro­gramm von Dezem­ber 2008 bis März 2009 fort­ge­führt wer­den. Die Zahl der Schü­ler stieg auf 60. Auch der Leh­rer arbei­tete neben sei­ner täg­li­chen Arbeit mit sei­nen Tie­ren und auf den Fel­dern, und unter­rich­tete fünf Nächte in der Woche unent­gelt­lich. Die Bedeu­tung sei­ner Rolle als ein Leh­rer, der die inte­grierte Schul­bil­dung ver­ste­hen und umset­zen konnte, kann gar nicht hoch genug bewer­tet wer­den. Da der Erfolg der Initia­tive nicht zuletzt sei­nem Enga­ge­ment zu ver­dan­ken ist, wurde ent­schie­den, dass er eine monat­li­che Ent­schä­di­gung von 35 € erhal­ten sollte. Der Unter­richt war erfolg­reich und die Schü­ler mach­ten große Fort­schritte in Alpha­be­ti­sie­rung, Schrei­ben und Mathe­ma­tik.
Mitte März wurde die Pas­to­ra­lis­ten­schule wegen der ers­ten Ernte seit 2007 unter­bro­chen.
Obwohl das Kon­zept sehr erfolg­reich war, trat ein Nach­teil her­vor: in der Pri­vat­in­itia­tive konn­ten die Schü­ler keine staat­lich aner­kann­ten Prü­fun­gen und Abschlüsse erhal­ten. Darum ent­schie­den sie, sich mit dem Kon­zept an die lokale Ver­wal­tung zu wen­den und um eine offi­zi­elle Fort­füh­rung der Nacht­schule zu bit­ten. Nach wie­der­hol­ten Anfra­gen schien es im April 2009 so, als hät­ten die Anfra­gen Erfolg, und eine offi­zi­elle Fort­füh­rung der Nacht­schule war für Juli 2009 in Aus­sicht. Lei­der ist bis Sep­tem­ber 2009 nichts gesche­hen, und die Schü­ler ver­su­chen wei­ter­hin mit wie­der­hol­ten offi­zi­el­len Anschrei­ben eine posi­tive Reak­tion sei­tens der Lokal­ver­wal­tung zu erwir­ken.
Die Arbore haben die Erfah­rung gemacht, dass es Leh­rern aus ande­ren Regio­nen Äthio­pi­ens oft an Enga­ge­ment und Ver­ständ­nis für ihre Lebens­weise man­gelt. Infolge des­sen hat der Unter­richt sel­ber oft schlechte Qua­li­tät. Auch lie­gen Res­sour­cen, wie z.B. der Gene­ra­tor, der aus staat­li­chen Mit­teln für Nacht­un­ter­richt gedacht war, seit Mona­ten unge­braucht in einem Lager in Arbore.
Ein Grund, der von aus­wär­ti­gen Leh­rern für das Schei­tern diver­ser Schul­in­itia­ti­ven oft genannt wurde, war der angeb­li­che Man­gel an inter­es­sier­ten Schü­lern. Die­ses Pro­jekt hat nun auf­ge­zeigt, dass es genü­gend erwach­sene Arbore gibt, die ein an ihre Wirt­schafts­weise ange­pass­tes Schul­kon­zept wert­schät­zen und nut­zen. Wir hof­fen, dass die Bemü­hun­gen der Arbore, um eine ihrer Lebens­weise ent­spre­chen­den und qua­li­ta­tiv gute Schul­bil­dung durch den Staat erfolg­reich sind. Wir wer­den den Fort­gang der Ver­hand­lun­gen wei­ter verfolgen.

2) Was­ser­pumpe auf Gemein­schafts­par­zelle

Was­ser­pumpe: 18,200 ETB
Zube­hör: 750 ETB
Trans­port Was­ser­pumpe
von Addis Abeba-Arbore: 1,500 ETB
Die­sel 8×200 Liter: 1,600 ETB
Rei­se­kos­ten für den
loka­len Gewährs­mann: 550 ETB

Gesamt­kos­ten: 22,600 ETB = 1,592 € (Wech­sel­kurs vom 1.12.2008)

Die Idee (Januar 2009):
Mit der Was­ser­pumpe kann eine Gemein­schafts­par­zelle auf höher gele­ge­nem Gebiet bewirt­schaf­tet wer­den. Ins­ge­samt 72 Per­so­nen wer­den auf der Par­zelle arbei­ten. Das Gebiet ist bes­ser vor Über­schwem­mun­gen geschützt, muss aber in Tro­cken­zei­ten bewäs­sert wer­den. Die Die­sel­la­dung ist als Ein­mal­zah­lung gedacht, um die ins­ge­samt zwei Pum­pen in der aktu­el­len Not­lage betrei­ben zu kön­nen. Der Part­ner aus Arbore über­nimmt die Orga­ni­sa­tion und den Transport.

Das Ergeb­nis (Sep­tem­ber 2009):
Die Was­ser­pumpe ist sicher von Addis Abeba nach Arbore trans­por­tiert wor­den. Sie soll so bald nötig in Betrieb genom­men wer­den. Lei­der gibt es seit August 2009 eine extreme Dürre, in der nur noch aus tie­fen, hand­ge­gra­be­nen Was­ser­lö­chern Was­ser­vor­räte geschöpft wer­den kön­nen. Die Fluss­bet­ten lie­gen in der gesam­ten Region bis hin nach Nord­ke­nia tro­cken, und in die­sem Jahr kämp­fen die Arbore vor­nehm­lich um das Über­le­ben ihrer Tiere.
Trotz­dem sind die Berichte über die Par­zelle posi­tiv. In die­sem Jahr wurde die Par­zelle von Bewoh­nern zweier Arbore-Dörfer bestellt. Die meis­ten davon sind nach wie vor Frauen, aber beson­ders für die schwere kör­per­li­che Arbeit sprin­gen immer wie­der Män­ner ein. Über die lebens­wich­tige Hirse, hin­aus wur­den im April aus dem von „žBau­ern hel­fen Bau­ern“ geför­der­ten Saat­gut (siehe Fotos unten) zahl­rei­che Gemü­se­sor­ten ange­baut, die Mitte des Jah­res geern­tet wer­den konn­ten. Es han­delt sich hier­bei haupt­säch­lich um Karot­ten, Zwie­beln, Knob­lauch, Paprika, Toma­ten und Kräu­ter, aber auch Bana­nen. Die Frauen haben die ver­schie­de­nen Gemüse gut ange­nom­men, und kön­nen so die Vit­amin­ver­sor­gung ihrer Fami­lien ver­bes­sern. Gemein­sam mit der Orga­ni­sa­tion „žFARM Africa“ hat der Initia­tor der Gemü­se­ko­ope­ra­tive sich sehr für die Auf­klä­rung über die Vit­amin­ver­sor­gung ein­ge­setzt.
Die Gemü­se­ernte kann inzwi­schen sogar auf loka­len Märk­ten ver­kauft wer­den. Teile des Erlö­ses flie­ßen in die lau­fen­den Kos­ten des Pro­jekts, wie Die­sel, Öl und Gerät­schaf­ten. Die­ses Pro­jekt, das im Jahr 2003 mit einer ers­ten För­de­rung aus dem „žSüd-Omo Fond“ auf Grund­lage von Kon­zep­tio­nen von E.C. Gab­bert und Felix Girke begon­nen hatte, kann nach vie­len Rück­schla­gen durch kli­ma­ti­sche Unre­gel­mä­ßig­kei­ten nun ins­ge­samt posi­tiv bewer­tet wer­den. Wegen des sicht­ba­ren Erfol­ges wol­len immer mehr Per­so­nen auf der Par­zelle mit­ar­bei­ten. Wir hof­fen dar­auf, dass eine sol­che Aus­wei­tung durch die zweite, von „žBau­ern hel­fen Bau­ern“ finan­zierte Pumpe bald mög­lich sein wird, und hof­fen mit den Arbore auf ein Ende der Dür­ren und wei­tere gute Nach­rich­ten von die­ser her­aus­for­dern­den, aber Hoff­nung geben­den Parzelle.

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Frauen auf der Par­zelle mit Grab­stö­cken, Bana­nen­ernte (kaum zu sehen: Spröss­linge von Zwie­beln und Paprika), April 2009.

3) Notfall-Plan für ver­lo­re­nes Saat­gut

Kos­ten: 550,- € = 7,810 ETB

Die Idee (Januar 2009):
Zum ers­ten Mal in der Geschichte Arbo­res ist das tra­di­tio­nelle Hirse-Saatgut aus­ge­gan­gen. Vier große Über­schwem­mun­gen in Folge in den Jah­ren 2007 und 2008 mach­ten Ern­ten und Rei­fung sowohl von Nah­rung als auch von Saat­gut unmög­lich. Im Januar 2009 ist vie­len Arbore die Aus­saat zum ers­ten Mal nicht mög­lich. Vor­han­de­nes Saat­gut (Mais) aus einer Hilfs­lie­fe­rung von der Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tion FARM Africa kann nicht bis zu den regu­lä­ren Über­schwem­mun­gen im April rei­fen. Es gibt jedoch eine Hir­se­art mit kur­zer Wachs­tums­dauer, die umge­hend auf loka­len Märk­ten in der benach­bar­ten Konso-Region ein­ge­kauft wer­den soll. Da die Arbore bereits den Hun­ger mit über­teu­er­ten Mais­käu­fen bekämp­fen, soll eine Teil­un­ter­stüt­zung mit Saat­gut erfol­gen.
Der Gewährs­mann aus Arbore über­nimmt Ein­kauf und Trans­port für Saat­gut in der aktu­el­len Not­lage. Da eine kom­plette Ver­sor­gung der gesam­ten Bevöl­ke­rung mit Saat­gut nicht mög­lich ist, sol­len von dem Saat­gut das bewäs­serte Gemein­schafts­feld und Par­zel­len beson­ders benach­tei­lig­ter Per­so­nen (Wit­wen, alte Men­schen, Fami­lien ohne Vieh) besät werden.

Das Ergeb­nis (Mai/Juni 2009):
Von dem Geld konn­ten 16 Säcke mit Saat­gut in Dassan­ech, bei einer Nach­bar­gruppe der Arbore, gekauft wer­den. Der beson­dere Vor­teil beim Kauf die­ses Saat­gu­tes ist es, dass es (anders als inter­na­tio­nale Hilfs­lie­fe­run­gen) loka­len kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­sen opti­mal ange­passt ist. Das Saat­gut wurde an beson­ders bedürf­tige Fami­lien, an Wit­wen, junge Fami­lien und Fami­lien mit vie­len Kin­dern ver­teilt. Ins­ge­samt 321 sol­che Fami­lien erhiel­ten Saat­gut im Volu­men einer Blech­dose (ca. 4l). Das schnelle Ein­sprin­gen von „žBau­ern hel­fen Bau­ern“ und das Enga­ge­ment der loka­len Gewährs­leute in Arbore machte es mög­lich, dass das Saat­gut inner­halb kür­zes­ter Zeit ein­ge­kauft und noch recht­zei­tig Anfang Februar 2009 aus­ge­sät wer­den konnte. Die Fami­lien haben im April 2009 die Ernte begonnen.

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Hir­se­spröss­linge im Februar/März 2009.

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Hirse kurz vor der Ernte Mai/Juni 2009.

4) Aus­bil­dungs­end­för­de­rung Arkulo Habsa Gino für 6 Monate

Kos­ten: 175 € = 2,485 ETB

Die Idee (Januar 2009):
Durch erhöhte Stu­di­en­ge­büh­ren wegen der Umstruk­tu­rie­rung der Schule zu einer „žEli­te­schule“ war der Abschluss (10. Klasse) von Arkulo Habsa aus Arbore gefähr­det. Mit der Aus­bil­dungs­end­för­de­rung kann sein Abschluss gesi­chert werden.

Das Ergeb­nis (Juli 2009):
Arkulo hat im Juli 2009 sei­nen Abschluss mit Aus­zeich­nung erreicht. Damit ist es ihm nun mög­lich auf wei­ter­füh­rende Schu­len und danach sogar auf die Uni­ver­si­tät zu gehen. Er dankt allen Spen­dern ganz herzlich.

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Arkulo am Tag sei­nes Schul­ab­schlus­ses, Juli 2009.

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Arku­los Abschluss­zeug­nis mit Aus­zeich­nung („ždis­tinc­tion“), Juli 2009.

5) Aus­bil­dungs­för­de­rung zum loka­len Vete­ri­när

Vor­be­rei­tungs­phase:
Zur nach­hal­ti­gen und ange­pass­ten Ver­sor­gung der Tiere (Rin­der, Ziegen/Schafe) sol­len in Arbore einige lokale Vete­ri­näre aus­ge­bil­det wer­den. Loka­les und tra­di­tio­nel­les Wis­sen soll dabei ein­be­zo­gen wer­den. Beson­ders seit kom­mer­zi­elle „žflie­gende Medi­ka­ment­händ­ler“ auf Kurz­be­su­chen mit unver­ant­wort­li­chen Metho­den starke Medi­ka­mente ver­kau­fen, ohne die Bevöl­ke­rung über rich­tige Anwen­dung und Neben­wir­kun­gen zu infor­mie­ren, gibt es immer mehr Fehl­an­wen­dun­gen vor allem von Anti­bio­tika. Klein­kin­der trin­ken so von klein auf mit Anti­bio­tika ver­setze Kuh– und Zie­gen­milch. Es ist ins­ge­samt eine Ver­schlech­te­rung des Gesund­heits­zu­stan­des der Tiere und eine wei­tere Ver­brei­tung von Epi­de­mien zu beob­ach­ten. Die Lang­zeit­fol­gen für Men­schen sind nicht abseh­bar.
Es gibt zwei Arbore, die sich für eine Aus­bil­dung zum Vete­ri­när. Beide wur­den darum gebe­ten, Vor­schläge für mög­li­che Schu­len zu machen, an denen sie ler­nen möch­ten. Da es viele unzu­rei­chende Aus­bil­dungs­stät­ten gibt, die rein kom­mer­zi­ell aus­ge­rich­tet sind, soll das geeig­nete Aus­bil­dungs­in­sti­tut sorg­sam aus­ge­wählt wer­den. Mit ihnen gemein­sam soll dann ein Bud­get erstellt wer­den.
Gleich­zei­tig lau­fen auf inter­na­tio­na­ler Ebene Anfra­gen nach holis­tisch arbei­ten­den Vete­ri­nä­ren. Ver­gleich­bare Pro­jekte z.B. in Uganda arbei­ten eng mit loka­len Wis­sens­trä­gern, um gezielt auf die loka­len Ver­hält­nisse abge­stimmte The­ra­pien zu entwickeln.

6) Son­der­pro­jekt: Ein Roll­stuhl für Badje Neeko, gemein­sam finan­ziert mit dem „žHilfs­fond für Süd-Omo„

Kos­ten für den Roll­stuhl: 167,- €
Trans­port­kos­ten, Zube­hör: 65,- €

Gesamt­kos­ten: 232,- €. (davon 100,- € von „žBau­ern hel­fen Bau­ern“, und 132 € aus dem „žHilfs­fond für Süd-Omo“)

Die Idee (Juli 2009):
Wir haben uns kurz­fris­tig ent­schlos­sen, eine vor­her nicht ein­ge­plante Idee zu ver­wirk­li­chen.
Badje Neeko, zur Zeit etwa 9 Jahre alt, ist seit sei­nem drit­ten Lebens­jahr gelähmt. Er kann mit Mühe auf­recht sit­zen und sitzt seit sei­ner Behin­de­rung, ver­mut­lich durch Polio, also nun­mehr seit 6 Jah­ren nackt im Haus sei­ner Eltern oder wird unter den Schat­ten­baum vor dem Haus getra­gen, wo er den Tag ver­bringt. Seine Eltern sind mit der Behin­de­rung über­las­tet und nach­dem die Arzt­be­su­che zu Beginn sei­ner Erkran­kung kei­nen Erfolg brach­ten, hat sich die Fami­lie mit Badje als Son­der­be­las­tung mehr schlecht als recht abge­fun­den. Eine wür­dige Exis­tenz hat er nicht. Badje ist ver­wahr­lost, ver­staubt und seine Haare sind ver­filzt. Seine Mut­ter küm­mert sich beson­ders in Not­zei­ten oder bei inten­si­ven Arbeits­ein­satz auf den Fel­dern nur am Rande um ihn, manch­mal fin­det sie keine Zeit, ihn von Fäka­lien zu rei­ni­gen. Die Fami­lie hat signa­li­siert, dass unter den gege­be­nen Umstän­den der letzt­end­li­che Tod des Kin­des erwar­tet wird.
Frau Gab­bert ist im Dezem­ber 2007 zufäl­lig auf Badje auf­merk­sam gewor­den. Bereits nach zwei Besu­chen hat er sie erkannt und auf Fra­gen geant­wor­tet. Er ist geis­tig sehr rege. Frau Gab­bert hat Herrn Ginno Ballo gebe­ten, sich um den Jun­gen zu küm­mern. Herr Ballo besucht ihn seit­dem regel­mä­ßig, schnei­det ihm die Haare und wäscht ihn.

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Badje im Jahr 2008.

Es kann nicht erwar­tet wer­den, für Badje wird in Äthio­pien eine bes­sere Pflege zu fin­den. Ange­sichts sei­nes schlech­ten Zustan­des ist es somit das Ziel, seine Situa­tion inner­halb sei­ner Fami­lie zu ver­bes­sern. Es soll ver­sucht wer­den, den Eltern ein Teil der Pflege zu erleich­tern, indem Badje durch Herrn Ballo oder andere Frei­wil­lige wie bis­her gepflegt wird. Durch respekt­vol­len Umgang mit Badje und Gesprä­chen mit den Eltern soll signa­li­siert wer­den, dass Badje ein wür­di­ger Umgang und eine bes­sere soziale Ein­bin­dung gut tun wür­den. Die Eltern sol­len gestärkt wer­den, indem ihre schwie­rige Situa­tion zwar nicht auf­ge­fan­gen, aber doch aner­kannt wird, so dass sie ins­ge­samt mehr Ver­ständ­nis und Unter­stüt­zung von der loka­len Gemein­schaft für eine gute Pflege ihres Soh­nes erhal­ten.
Für Badje soll ein Roll­stuhl gekauft wer­den. So kann er mobil sein und am sozia­len Leben teil­neh­men kann. Roll­stühle sind in Arbore unbe­kannt, aber bei der erhoff­ten Funk­tio­na­li­tät des Roll­stuhl­ein­sat­zes kann evtl. die Lebens­qua­li­tät Bad­jes erhöht wer­den.
Ein Schul­be­such soll nach eini­ger Zeit der erhöh­ten Mobi­li­tät vor­sich­tig abge­wägt wer­den. In Not­zei­ten soll der Fami­lie ggf. ein klei­ner Mehr­auf­wands­be­trag wegen der Behin­de­rung des Soh­nes zukom­men.
Wei­tere Pro­gno­sen und The­ra­pie sind ohne ärzt­li­che Dia­gnose schwie­rig bis unmög­lich. Der Roll­stuhl kann vor Ort vor­erst nur impro­vi­siert an die Bedürf­nisse des Jun­gen (z.B. durch Sicher­heits­gurte und Kis­sen) ange­passt wer­den. Die Reso­zia­li­sie­rung soll sehr behut­sam vor­ge­nom­men wer­den, um eine Über­las­tung des Kin­des zu ver­mei­den. Soll­ten wei­tere ärzt­li­che Dia­gno­sen not­wen­dig sein, könn­ten die Kos­ten über­nom­men werden.

Das Ergeb­nis (Okto­ber 2009):
Badje hat im Juli 2009 den Roll­stuhl über­reicht bekom­men. Er kann inzwi­schen seine Fami­li­en­mit­glie­der besu­chen und ist sehr glück­lich dar­über. Die Aus­flüge über­las­ten ihn nicht und sogar ein Schul­be­such ist tat­säch­lich denk­bar. Seine Fami­lie hat sich sehr bei allen Betei­lig­ten bedankt und küm­mert sich gemein­sam mit Herrn Ballo deut­lich bes­ser um sein Wohl­er­ge­hen. Es wird geschil­dert, dass das gesamt Dorf nun mit Erleich­te­rung Anteil nimmt an Bad­jes Situa­tion. Aus­sa­gen über Bad­jes gesund­heit­li­che Situa­tion sind nach wie vor aus der Ferne nicht mög­lich, sol­len aber beim nächs­ten Besuch von Frau Gab­bert in Arbore noch ein­mal eva­lu­iert wer­den. Durch die neuen Fotos von Badje wird Frau Gab­bert auch eine erste medi­zi­ni­sche Ein­schät­zung in Deutsch­land vor­neh­men las­sen. Wir dan­ken auch hier ganz beson­ders und hof­fen, Badje und seine Fami­lie wei­ter­hin unter­stüt­zen zu können.

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Badje auf einer sei­ner ers­ten Fahr­ten im Dorf, Juli 2009.