Das Projekt

Das Pro­jekt:

Das Pro­jekt setzt sich aus kurz­fris­ti­ger Not­hil­fe und nach­hal­ti­ger Hil­fe zur Selbst­hil­fe auf der Basis der lokal ent­wi­ckel­ten Initia­ti­ve zusam­men. Dabei soll das tra­di­tio­nel­le Wis­sen der Arbo­re die Grund­la­ge dar­stel­len – sie sel­ber ver­fü­gen über umfang­rei­che Kennt­nis­se über Saat­gut, Anbau­wei­sen, und die Böden des Lan­des. Durch die Ein­brin­gung die­ses Wis­sens in die Her­aus­for­de­run­gen durch sozia­len, wirt­schaft­li­chen und infra­struk­tu­rel­len Wan­del in der Regi­on sol­len die unver­meid­li­chen Ver­än­de­run­gen kul­tu­rell und sozi­al ver­träg­lich gestal­tet wer­den. Die Ältes­ten­rä­te und Gemein­de­tref­fen der Arbo­re sind beson­ders acht­sam bezüg­lich der Her­aus­for­de­run­gen durch das Neue, aber betrach­ten sich nicht als stu­re Tra­di­tio­na­lis­ten. Da sie wol­len, daß ihrer Kul­tur auch in Zukunft mit Respekt begeg­net wird, legen sie Wert dar­auf, in einer sich wan­deln­den Welt umsich­tig und nicht wahl- und plan­los zu agie­ren, und kei­ne ein­fa­che Schein­lö­sun­gen zu akzep­tie­ren.

Teil­pro­jekt 1: Feld­bau

Die loka­len Bemü­hun­gen für einen siche­ren Feld­bau sol­len unter­stützt wer­den. Um die Feld­flä­che für inter­es­sier­te Arbo­re zu erschlie­ßen, soll eine Was­ser­pum­pe mit grö­ße­rer Kapa­zi­tät ange­schafft wer­den. Die ste­hen­den Kos­ten für die Pum­pe (Die­sel und War­tung) sol­len lang­fris­tig sel­ber getra­gen wer­den. Wegen der aku­ten Not­si­tua­ti­on ist es aber not­wen­dig, die ers­ten Anschaf­fun­gen für die Pum­pe sel­ber, Die­sel, diver­ses Saat­gut und Acker­bau­ge­rä­te zu för­dern. Zur wich­tigs­ten Ziel­grup­pe zäh­len alle Fami­li­en in beson­ders schwie­ri­gen Lagen, d.h. Wit­wen, Fami­li­en mit vie­len Kin­dern, jun­ge Fami­li­en, und Fami­li­en mit wenig oder gar kei­nem Vieh.

Teil­pro­jekt 2: Vieh­hal­tung

Als zwei­tes Stand­bein des Pro­jekts sol­len Fami­li­en unter­stützt wer­den, die nicht am Land­wirt­schafts­pro­jekt teil­neh­men. Sie bekom­men Hil­fe beim Auf­bau einer klei­nen Vieh­her­de, die für die Grund­ver­sor­gung mit Milch und in Not­zei­ten als Tausch­mit­tel zum Getrei­de­er­werb ein­ge­setzt wer­den kann. Beson­ders betrof­fen sind wie­der­um jun­ge Fami­li­en, die durch die Vieh­epi­de­mi­en und den feh­len­den Getrei­de­über­schuss kei­ne Mög­lich­keit haben, ihre Her­den auf­zu­bau­en. Beson­ders jun­ge Ehe­paa­re ver­lie­ren leicht in Fol­ge von Natur­ka­ta­stro­phen das Start­ka­pi­tal zum Auf­bau ihrer so wich­ti­gen Her­den.

Teil­pro­jekt 3: Aus­bil­dung

Es gibt bereits eine Rei­he von jun­gen Arbo­re, die sich für eine Schul- und Wei­ter­bil­dung in Fächern wie Vete­ri­när­me­di­zin, Human­me­di­zin und Land­wirt­schaft bewer­ben. Gute Aus­bil­dun­gen in die­sen Gebie­ten wür­den ihnen erlau­ben, mit die­sem Wis­sen ihre Gemein­schaft in Berei­chen zu unter­stüt­zen, wo Absi­che­rung von außen nicht gewähr­leis­tet ist. Sol­che Schul­be­su­che sind für die Fami­li­en aber meist finan­zi­ell untrag­bar, da zusätz­lich zum Weg­fall einer Arbeits­kraft die hohen Kos­ten für Unter­kunft in einer ent­fern­ten Stadt, Ver­pfle­gung und Schul­geld beson­ders in Not­zei­ten nicht auf­ge­bracht wer­den kön­nen.

Der momen­ta­ne Man­gel an loka­len Spe­zia­lis­ten in die­sen Fach­ge­bie­ten führt zu immer wie­der­keh­ren­den Pro­ble­men. Über die kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen und die durch sie ver­ur­sach­ten Flu­ten hin­aus sind es auch gesell­schaft­li­che und wirt­schaft­li­che Trans­for­ma­tio­nen, die bis­her kaum inte­gra­tiv, in Ein­ver­neh­men mit den Arbo­re durch­ge­führt wur­den. Statt­des­sen wur­de nach wenig noch­voll­zieh­ba­ren Kri­te­ri­en an den Bedürf­nis­sen der Arbo­re vor­bei Wan­del ver­ord­net. Eini­ge Bei­spie­le ver­an­schau­li­chen, auf wel­che Wei­se durch die Aus­wei­tung von Aus­bil­dung der­ar­ti­ge Pro­ble­me ver­mie­den wer­den kön­nen:

a) Vete­ri­när­me­di­zin: Durch­rei­sen­de Vete­ri­nä­re ver­kau­fen pro­fit­ori­en­tiert Medi­ka­men­te, deren oft fal­sche Anwen­dung lang­fris­tig die Gesund­heit der Tie­re und Men­schen gefähr­det. Anti­bio­ti­ka wer­den in gro­ßen Men­gen feil­ge­bo­ten, ohne die rich­ti­ge Dosie­rung oder mög­li­che Neben­wir­kun­gen mit­zu­tei­len. Da bedeu­tet, dass Epi­de­mi­en bei ein­tre­ten­den Resis­ten­zen nicht mehr bekämpft wer­den kön­nen, und so gro­ße Tei­le der Her­den ver­nich­ten. Milch und Fleisch der Tie­re wer­den ohne War­te­zeit nach Medi­ka­men­ten­ga­be ver­zehrt, da die Ver­käu­fer von Vieh­me­di­zin kein Inter­es­se an der Ver­mitt­lung mög­li­cher Risi­ken und Neben­wir­kun­gen auch für Men­schen haben. Lang­fris­tig soll hier ein Infor­ma­ti­ons- und Behand­lungs­sche­ma ent­wi­ckeln wer­den, bei dem die loka­len Vete­ri­nä­re ent­spre­chen­de Schlüs­sel­rol­len über­neh­men, und auf der Basis gegen­sei­ti­gen Ver­trau­ens auch bei ande­ren Arbo­re ein Bewusst­sein für Risi­ken ver­brei­ten.

b) Human­me­di­zin: Zahl­rei­che Bar­rie­ren sprach­li­cher und kul­tu­rel­ler Art füh­ren heu­te zu unzu­rei­chen­der Auf­klä­rung und Ver­sor­gung von Pati­en­ten in Arbo­re. Es gibt kei­nen Arzt vor Ort; ledig­lich eini­ge Hel­fer aus Nor­dä­thio­pi­en arbei­ten in einer Gesund­heits­sta­ti­on. Die­se Hel­fer kom­men oft nicht mit den har­ten kli­ma­ti­schen und gesund­heit­li­chen Lebens­be­din­gun­gen in Arbo­re zurecht, und erkran­ken nicht sel­ten sel­ber schwer, beson­ders an Typhus und Mala­ria. Die meis­ten von ihnen ver­fü­gen über kei­ner­lei Kennt­nis­se der Arbo­re-Spra­che und kön­nen vor allem mit Frau­en und Kin­dern und älte­ren Men­schen nicht kom­mu­ni­zie­ren. Das resul­tiert nicht nur in man­gel­haf­ten Dia­gno­sen, son­dern auch in fal­schen Gaben von Medi­ka­men­ten, die nach Hau­se mit­ge­nom­men und in Fol­ge will­kür­lich ein­ge­nom­men wer­den. Ers­te Ver­su­che mit ein­hei­mi­schen Assis­ten­ten in der Gesund­heits­sta­ti­on (z.B. bei der Wund­ver­sor­gung) zei­gen, dass die Behand­lung von Arbo­re durch Arbo­re gründ­li­cher und gewis­sen­haf­ter durch­ge­führt wird und auch die Pati­en­ten sich bes­ser mit­tei­len kön­nen. Aus dem bald aus­lau­fen­den Hilfs­fond für Süd Omo wird bereits jetzt der ers­te Gesund­heits­hel­fer aus Arbo­re im 2. Aus­bil­dungs­jahr in Addis Abe­ba aus­ge­bil­det.

c) Land­wirt­schaft: Die Arbo­re ver­fü­gen bereits über ein umfang­rei­ches Wis­sen zum Land­bau, und vor allem über die ört­li­chen Gege­ben­hei­ten. Die sich ver­än­dern­den kli­ma­ti­schen Ver­hält­nis­se wer­den aller­dings den Ein­satz neu­er Tech­no­lo­gi­en erzwin­gen. Eine inte­grier­te Auf­klä­rung über sol­che Tech­no­lo­gi­en, tra­di­tio­nell unbe­kann­te Nutz­pflan­zen und inno­va­ti­ve Anbau­mög­lich­kei­ten wird lang­fris­tig eine bes­se­re Ver­sor­gung und ein wei­te­rer Fak­tor für die Ver­bes­se­rung der Gesund­heits­vor­sor­ge dar­stel­len kön­nen.

In allen die­sen Fäl­len wür­den der Ein­satz von Spe­zia­lis­ten aus Arbo­re in allen Berei­chen eine bes­se­re Kom­mu­ni­ka­ti­on und Auf­klä­rung ermög­li­chen. Da Aus­bil­dungs­hil­fen lang­fris­tig gesi­chert sein müs­sen, ist die­ses Pro­jekt das kos­ten­in­ten­sivs­te und soll aus meh­re­ren Quel­len finan­ziert wer­den.

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